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Verkehrshaftungsversicherung (OCP): Deckung, Versicherungssumme und Unterschied zu Cargo und OCS

Avatar of Sebastian Szklarczyk Autor: Sebastian Szklarczyk

Verkehrshaftungsversicherung (OCP): 8,33 SZR/kg, Haftungsgrenze nach dem CMR-Übereinkommen, DAF-Sattelzugmaschine von Antrans BiS auf dunkelblauem Hintergrund
Inhalt

OCP ist die polnische Bezeichnung für die Verkehrshaftungsversicherung des Straßenfrachtführers. Sie deckt den Schadenersatz, den der Frachtführer für Verlust, Teilverlust oder Beschädigung der Ladung oder für Lieferfristüberschreitung zahlen muss, und zwar im Rahmen des polnischen Transportgesetzes (Prawo przewozowe) bei Inlandstransporten oder des CMR-Übereinkommens bei internationalen Transporten. In Polen schreibt kein Gesetz ihren Abschluss vor, doch ohne OCP-Police bekommt ein Frachtführer praktisch keinen Auftrag von einer Spedition oder einem Verlader.

Eines wird am häufigsten verwechselt. Die OCP schützt den Frachtführer, nicht die Ware. Haftet der Frachtführer für den Schaden nicht oder nur bis zu einer Höchstgrenze, erhält der Versender weniger als den Warenwert. Dafür gibt es die Warentransportversicherung (Cargo), und der Spediteur hat zusätzlich eine eigene Haftpflichtversicherung, in Polen OCS genannt.

Was die Verkehrshaftungsversicherung (OCP) abdeckt

Der Frachtführer haftet für die Sendung von der Übernahme zur Beförderung bis zur Ablieferung an den Empfänger. So regelt es Art. 65 des polnischen Transportgesetzes, ähnlich Art. 17 des CMR-Übereinkommens. Die OCP-Police übernimmt diese Haftung bis zur Versicherungssumme.

Versicherer teilen die OCP meist in zwei Bereiche: national (Transporte in Polen nach dem Transportgesetz) und international (Transporte nach CMR, oft zusammen mit Kabotage in der EU). Zum Standardumfang der Policen gehören unter anderem Schäden durch Subunternehmer, Raubschäden, Schäden beim Be- und Entladen durch den Frachtführer sowie grobe Fahrlässigkeit, wobei Letztere in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) oft an Bedingungen geknüpft ist.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung der Sattelzugmaschine deckt keine Schäden an der Ladung. Das sind zwei getrennte Policen.

Ist die Verkehrshaftungsversicherung Pflicht?

In Polen nicht. Die Vorschriften verlangen vom Frachtführer für die Lizenz den Nachweis der finanziellen Leistungsfähigkeit (mehr dazu in unserem Beitrag zur Güterkraftverkehrslizenz), doch das ist ein anderes Produkt als die OCP. Der Schutz der Ladung ist Sache des Vertrags mit dem Auftraggeber.

In der Praxis wird die OCP in jedem Transportauftrag verlangt, denn der Spediteur haftet für die von ihm eingesetzten Frachtführer, es sei denn, ihn trifft bei ihrer Auswahl kein Verschulden (Art. 799 des polnischen Zivilgesetzbuchs). Die Prüfung der Police ist für die Spedition der Nachweis einer sorgfältigen Auswahl. Auch wir verlangen von unseren Partnerfrachtführern eine OCP-Police mit einer Versicherungssumme von mindestens 100.000 EUR, wie im Bereich für Frachtführer beschrieben.

Anders in Deutschland. Ein Frachtführer, der Transporte mit Be- und Entladeort in Deutschland durchführt, muss eine Haftpflichtversicherung über mindestens 600.000 EUR je Schadensereignis haben (§ 7a Güterkraftverkehrsgesetz, GüKG). Das gilt unter anderem für die Kabotage. Prüfen Sie deshalb vor einer solchen Fahrt, ob Ihre Police diesen Bereich abdeckt.

Versicherungssumme der OCP und Haftungsgrenzen

Die Versicherungssumme ist die Obergrenze der Leistung aus der Police. Wie viel der Frachtführer tatsächlich zahlt, ergibt sich jedoch aus den Vorschriften, und die funktionieren im polnischen Inlandsverkehr und nach CMR unterschiedlich.

RechtsgrundlageBei Verlust oder BeschädigungBei VerspätungWann die Haftungsgrenze entfällt
Polnisches Transportgesetz (Inlandstransporte)bis zum Warenwert laut Rechnung, Preisliste oder Marktwert (Art. 80)bis zum Doppelten der Fracht (Art. 83)Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit (Art. 86)
CMR-Übereinkommen (internationale Transporte)bis 8,33 SZR je kg des fehlenden Rohgewichts (Art. 23 Abs. 3)bis zur Höhe der Fracht (Art. 23 Abs. 5)Vorsatz oder ein Verschulden, das nach dem Recht des angerufenen Gerichts dem Vorsatz gleichsteht (Art. 29)

SZR (Sonderziehungsrechte, engl. SDR) sind die Rechnungseinheit des Internationalen Währungsfonds. Nach den Kursen der polnischen Nationalbank (NBP) vom 9. Oktober 2026 entsprechen 8,33 SZR rund 44,07 PLN, also rund 10,07 EUR je Kilogramm. Eine volle Ladung von 24 t ergibt damit eine Haftungsgrenze von 199.920 SZR, rund 1,06 Mio. PLN oder rund 241.600 EUR. Daher der Standard von 300.000 EUR im internationalen Verkehr: Er deckt eine volle Ladung im Rahmen der CMR-Haftungsgrenze mit Reserve ab.

Die Haftungsgrenze wirkt auch in die andere Richtung. Bei 10 t Elektronik im Wert von 500.000 EUR haftet der Frachtführer nach CMR bis rund 100.700 EUR. Den Rest verliert der Versender, wenn er keine Warentransportversicherung hat und den Wert der Ware nicht im Frachtbrief angegeben hat (Art. 24 und 26 CMR). Bei grober Fahrlässigkeit dagegen entfällt die Haftungsgrenze, und für teure Ladung haftet der Frachtführer bis zum vollen Wert. Dann ist eine niedrige Versicherungssumme schnell aufgebraucht.

Ausschlüsse und Klauseln in der OCP-Police

Der Deckungsumfang ist von Versicherer zu Versicherer verschieden, die folgende Liste ist also ein Beispiel und keine Regel. In den Allgemeinen Bedingungen des polnischen Versicherers ERGO Hestia sind unter anderem Transporte von Waffen und Munition, ADR-Gütern der Klassen 1 und 7, Geld und Wertsachen, Kunstwerken, Mustern und Prototypen sowie lebenden Tieren ausgeschlossen. Ebenfalls nicht versichert sind Vertragsstrafen, Fracht und Beschlagnahme.

Am häufigsten wird in drei Fällen gestritten:

  • Diebstahl der Ladung von einem unbewachten Parkplatz oder aus einem unbeaufsichtigt abgestellten Fahrzeug, den viele Policen ausschließen oder an Parkauflagen knüpfen,
  • grobe Fahrlässigkeit des Fahrers, die nur gedeckt ist, wenn die Police es vorsieht, und oft nur mit Einschränkungen,
  • Hochrisikoladungen wie Elektronik, Alkohol, Tabakwaren oder Arzneimittel, für die Versicherer eigene Klauseln, Sublimits oder Auflagen anwenden.

Erweiterungsklauseln schließt man für bestimmte Transporte zusätzlich ab: temperaturgeführte Güter, Arzneimittel, Schwer- und Übermaßtransporte, Neu- und Gebrauchtfahrzeuge oder Maschinen. Wenn Sie mit einem Kühlauflieger fahren und die Police keine Temperaturklausel enthält, kann ein Schaden durch Ausfall des Kühlaggregats ungedeckt bleiben.

OCP, Cargo und OCS: wer sie abschließt, was sie schützt und bis zu welcher Summe

Schema: Der Versender schließt die Cargo-Versicherung ab, der Spediteur die OCS, der Frachtführer die OCP, mit einer Beschreibung, was jede Police schützt
Drei Policen bei einem Transport: Jede schützt eine andere Partei
PoliceWer schließt sie abWas sie schütztBis zu welcher Summe
OCPFrachtführerseine Haftung für die Ladung nach dem polnischen Transportgesetz oder nach CMRbis zu dem Betrag, für den der Frachtführer haftet (national bis zum Warenwert, nach CMR 8,33 SZR/kg), höchstens bis zur Versicherungssumme
Warentransportversicherung (Cargo)Versender, Empfänger oder der Spediteur für den Kundendie Ware selbst, auch wenn der Frachtführer für den Schaden nicht haftet, im Rahmen der gewählten Risikenbis zur Versicherungssumme, meist dem Warenwert
OCSSpediteurseine Haftung aus dem Speditionsvertrag, unter anderem für die Auswahl des Frachtführers und Fehler bei der Organisation des Transportsbis zur Versicherungssumme der Police

Für den Versender ist die Warentransportversicherung der einfachste Weg zur Entschädigung, denn er muss kein Verschulden des Frachtführers nachweisen. Die OCS des Spediteurs schützt wiederum vor Ansprüchen wegen schlecht organisierter Transporte, und wenn der Spediteur die Ware selbst befördert, hat er die Rechte und Pflichten eines Frachtführers (Art. 800 des polnischen Zivilgesetzbuchs).

Bei uns sind die Transporte unserer Kunden durch eine Cargo-Versicherung über 300.000 EUR je Schadensereignis gedeckt, mit Klauseln für Raub, Diebstahl, grobe Fahrlässigkeit und Auslieferung der Ware an Unberechtigte. Einzelheiten für Versender finden Sie im Kundenbereich.

Wie Sie die OCP-Police eines Frachtführers prüfen

Lassen Sie sich eine Kopie der Police oder ein Versicherungszertifikat geben, nicht nur eine Zusicherung per E-Mail. Prüfen Sie dann:

  1. Ob Name und Steuernummer (in Polen NIP) auf der Police zu der Firma passen, die den Auftrag annimmt.
  2. Den Versicherungszeitraum: Gilt die Police am Tag des Transports?
  3. Den Geltungsbereich: Polen, Europa, Kabotage, Großbritannien.
  4. Die Versicherungssumme je Schadensereignis und die Jahreshöchstleistung für alle Schadensfälle.
  5. Ausschlüsse und Parkauflagen, vor allem bei Hochrisikogütern.
  6. Die Klauseln, die Ihre Ladung braucht: Temperatur, ADR, grobe Fahrlässigkeit.
  7. Im Zweifel: eine Bestätigung der Gültigkeit direkt beim Versicherer.

Frachtführer von Frachtenbörsen schicken diese Unterlagen routinemäßig. Wie Sie die andere Seite eines Auftrags prüfen, beschreiben wir in unserem Vergleich der Frachtenbörsen.

Was tun bei einem Schaden an der Ladung?

Zeitstrahl der Schritte nach einem Ladungsschaden: Vorbehalt bei der Entladung, 7 Tage, 21 Tage, Reklamation, ein Jahr bis zur Klage
Fristen nach einem Schaden im internationalen Verkehr (CMR) und im polnischen Inlandsverkehr (Transportgesetz)

Die Fristen sind kurz, und wer sie versäumt, kann den Anspruch auf Entschädigung verlieren.

  1. Beschreiben Sie den Schaden bei der Entladung im Frachtbrief und in einem Schadensprotokoll, machen Sie Fotos und lassen Sie das Protokoll vom Fahrer unterschreiben. Wie die Felder richtig ausgefüllt werden, erklären wir im Beitrag zum CMR-Frachtbrief.
  2. Äußerlich nicht erkennbare Schäden melden Sie schriftlich innerhalb von 7 Tagen nach der Ablieferung, Sonn- und Feiertage nicht mitgerechnet (Art. 30 CMR). Im polnischen Inlandsverkehr verlangen Sie die Feststellung des Zustands der Sendung unverzüglich, spätestens 7 Tage nach der Annahme (Art. 74 und 76 des Transportgesetzes). Im Inlandsverkehr führt die vorbehaltlose Annahme der Sendung grundsätzlich zum Erlöschen der Ansprüche, nach CMR begründet sie die Vermutung, dass die Ware in dem im Frachtbrief beschriebenen Zustand angekommen ist.
  3. Für Verspätung im CMR-Verkehr gibt es Schadenersatz nur nach einem schriftlichen Vorbehalt binnen 21 Tagen, nachdem die Ware dem Empfänger zur Verfügung gestellt wurde (Art. 30 Abs. 3).
  4. Reichen Sie beim Frachtführer eine Reklamation mit CMR-Frachtbrief, Warenrechnung und Schadensdokumentation ein. Der Frachtführer meldet den Schaden seinem OCP-Versicherer innerhalb der Frist aus den AVB. Im Inlandsverkehr muss vor einer Klage das Reklamationsverfahren durchlaufen werden, und der Frachtführer hat 3 Monate Zeit für die Zahlung (Art. 75).
  5. Achten Sie auf die Verjährung: ein Jahr nach CMR (3 Jahre bei Vorsatz, Art. 32) und ein Jahr nach dem polnischen Transportgesetz (Art. 77). Eine schriftliche Reklamation nach CMR hemmt die Verjährung bis zur Antwort des Frachtführers.

Welche Papiere bei jeder Fahrt dabei sein sollten, beschreiben wir im Beitrag zu Transportdokumenten.

Häufige Fragen

Was ist die OCP-Versicherung?

OCP ist die Verkehrshaftungsversicherung des Straßenfrachtführers. Sie deckt den Schadenersatz, den der Frachtführer für Verlust, Teilverlust oder Beschädigung der Ladung oder für Lieferfristüberschreitung zahlen muss. Sie schützt nicht die Ware selbst, sondern den Frachtführer vor Ansprüchen.

Ist die OCP-Versicherung Pflicht?

In Polen gibt es keine gesetzliche Pflicht, eine OCP abzuschließen. In der Praxis verlangen sie fast alle Auftraggeber, denn ohne Police bekommt ein Frachtführer die meisten Aufträge nicht. Eine Ausnahme ist Deutschland, wo bei Transporten mit Be- und Entladung im Inland die Haftpflichtversicherung des Frachtführers gesetzlich vorgeschrieben ist.

Was unterscheidet die OCP von der Warentransportversicherung?

Die OCP schließt der Frachtführer ab, und sie schützt seine Haftung. Ob und wie viel gezahlt wird, hängt also davon ab, ob und bis zu welcher Grenze der Frachtführer haftet. Die Warentransportversicherung (Cargo) schließt meist der Versender oder der Empfänger ab, und sie schützt die Ware selbst, auch wenn der Frachtführer für den Schaden nicht haftet. Bei teuren Ladungen im internationalen Verkehr deckt erst die Cargo-Versicherung den vollen Warenwert.

Was ist die OCS-Versicherung des Spediteurs?

OCS ist die Haftpflichtversicherung des Spediteurs. Sie schützt ihn vor Ansprüchen aus dem Speditionsvertrag, etwa wegen Fehlern bei der Organisation des Transports oder einer nachlässigen Auswahl des Frachtführers. Sie ersetzt weder die OCP des Frachtführers noch die Cargo-Versicherung des Versenders.

Welche Versicherungssumme braucht die OCP im internationalen Verkehr?

Speditionen und Verlader verlangen meist eine Summe ab 300.000 EUR je Schadensereignis. Dieser Betrag deckt die Haftungsgrenze nach dem CMR-Übereinkommen für eine volle Ladung von 24 t. Bei teuren Gütern oder Transporten nach Deutschland kann der Auftraggeber mehr verlangen.

Deckt die Kfz-Haftpflichtversicherung die beförderte Ladung?

Nein. Die Kfz-Haftpflichtversicherung schützt vor Schäden, die Dritten im Straßenverkehr zugefügt werden, während die im Auftrag beförderte Ladung eine eigene OCP-Police braucht. Ein Frachtführer ohne OCP zahlt Schäden an der Ware aus eigener Tasche.

Quellen

Sie versenden Ware ins Ausland und möchten, dass der Transport durch eine Cargo-Versicherung über 300.000 EUR je Schadensereignis gedeckt ist? Beschreiben Sie die Ladung im Kundenbereich, und während der Geschäftszeiten antworten wir in der Regel innerhalb von 60 Minuten. Sie sind Frachtführer mit Gemeinschaftslizenz und OCP-Police? Im Bereich für Frachtführer finden Sie die Bedingungen einer festen Zusammenarbeit mit Bezahlung für jeden Kilometer.

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